09.06.2026 | Workshop und Lektüre
Drehli Robnik: Faschismus: Geschichte, Aktualität und Formen rechter Mobilisierung
Auf der Grundlage meines 2024 veröffentlichten Buches Flexibler Faschismus. Siegfried Kracauers Analysen rechter Mobilisierungen damals und heute möchte ich einige Facetten von Faschismus kurz darstellen. Da ist erstens die Ersetzung von Politik – als Konflikt, der ausgetragen werden kann – durch Gewalt als einer (antipolitischen) Beziehung zu existenziellen Feind:innen. Zweitens das Ausmaß, in dem Faschismus mobilisiert. Er stellt weniger still als dass er in dauernder Unruhe hält, regelrecht flexibilisiert – und freisetzt: nämlich destruktive Kräfte, gegen als "wertlos" stigmatisierte Körper. Und drittens ist da die Zerstörung von Wahrheit, von kollektiven Unterscheidungsfähigkeiten – Stichwort flood the zone with shit (von Trump-Berater Steve Bannon).
Das gilt für die Zeit vor 100 Jahren, als der Soziologe und Kritiker Siegfried Kracauer diese Bewegungen analysierte (vor und nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland). Und es gilt für heute – und da können wir (sehr) kurze Streiflichter auf andere, neuere Auseinandersetzungen mit Faschismus werfen: von Hannah Arendt bis Dagmar Herzog, Alberto Toscano, Eva von Redecker und Laurie Penny.
Drehli Robnik (* 1967) ist Kritiker und Theoriedienstleister in Sachen Politik, Film und Geschichte, sowie Edutainer und Disk-Jockey (Sonntag´sdisco) in Wien. Sein Doktorat stammt von der Universität Amsterdam (2007). Er hat Monografien zu Anti-Nazi-Filmen, zu Jacques Rancière, Kontrollhorrorkino, Pandemie-Spielfilmen und zu populärem Kino und Politik veröffentlicht. Zuletzt erschienen: Flexibler Faschismus. Siegfried Kracauers Analysen rechter Mobilisierungen damals und heute (2024); und (mit Gabu Heindl): Nonsolution: Zur Politik der aktiven Nichtlösung (2024; englische Neufassung 2026). Ein Buch zu vorletzten Wahrheiten in der Politik ist in Fertigstellung.